Auch der Mensch besteht aus vielerlei. Woraus immer die Luft ist, die Erde, die Kräuter, die Steine, all das ist auch Teil unserer Körper. Wir müssen wieder lernen, wir selber zu sein und die Vielfalt in uns zu fühlen und zu entdecken.
Wakan Tanka, das Grosse Geheimnis, lehrt Tiere und Pflanzen, was sie tun sollen. In der Natur gleicht nichts dem anderen. Wie verschiedenartig sind die Vögel! Einige bauen Nester, andere nicht. Manche Tiere leben in Erdlöchern, andere in Höhlen, andere in Büschen. Wieder andere kommen überhaupt ohne Behausung aus.
Sogar Tiere derselben Art zwei Hirsche, zwei Eulen verhalten sich unterschiedlich. Ich habe viele Pflanzen aufmerksam betrachtet. Von den Blättern einer Pflanze, die alle auf demselben Stengel wachsen, ist keines ganz wie das andere. Auf der ganzen Erde gibt es keine zwei Blätter, die einander völlig gleichen. Der Grosse Geist hat es so gewollt.
Für alle Geschöpfe auf der Erde hat er den Lebenspfad bloss im Grossen vorgezeichnet; er zeigt ihnen die Richtung und das Ziel, lässt sie aber ihren eigenen Weg dorthin finden. Er will, dass sie selbständig handeln, ihrem Wesen gemäss und ihren inneren Kräften gehorchend.
Wenn nun Wakan Tanka will, dass Pflanzen, Tiere, sogar die kleinen Mäuse und Käfer, auf diese Weise leben um wieviel mehr werden ihm Menschen, die alle dasselbe tun, ein Greuel sein.
Menschen, die zur selben Zeit aufstehen, die gleichen im Kauffhaus erstandenen Kleider anziehen und dieselbe U-Bahn benützen, die im selben Büro sitzen, die gleiche Arbeit verrichten, auf ein und dieselbe Uhr starren und was am Schlimmsten ist, deren Gedanken einander zum Verwechseln ähnlich sind.
Alle Geschöpfe leben auf ein Ziel hin. Selbst eine Ameise kennt dieses Ziel nicht mit dem Verstand, aber irgendwie kennt sie es.
Nur die Menschen sind so weit gekommen, dass sie nicht mehr wissen, warum sie leben. Sie benützen ihren Verstand nicht mehr und sie haben längst vergessen, welche geheime Botschaft ihr Körper hat, was ihnen ihre Sinne und ihre Träume sagen. Sie gebrauchen das Wissen nicht, das der Grosse Geist jedem von uns geschenkt hat, sie sind sich dessen nicht einmal mehr bewusst und so stolpern sie blindlings auf der Strasse dahin, die nach Nirgendwo führt auf einer gut gepflasterten Autobahn, die sie selber ausbauen, schnurgerade und eben, damit sie umso schneller zu dem grossen leeren Loch kommen, das sie am Ende erwartet, um sie zu verschlingen.
Tahca Ushte (Lame Deer) ca. 1890-1974,wicasa wakan (heiliger Mann, Medizinmann) Sioux Dakota, Lakota